Die Budakesser feierten in Neckarsulm ihr 71. Kirchweihtreffen am 17. September 2017

Budakesser Gemeinschaft bewahrt Kultur der Ungarndeutschen

Einem ganz besonderen Kirchweihtreffen sahen wir in diesem Jahr entgegen.
Eine 45-köpfige Delegation ist der Einladung der Budakesser Gemeinschaft gefolgt, darunter der Traditionsbewahrungsverein mit Vorsitzenden Karoly Ligetfalvi, mit Männerchor und Blasorchester. Am Freitag, 15. September 2017, traf der Bus wohlbehalten gegen 19.00 Uhr in Neckarsulm ein. Zu unserer Freude waren viele junge Teilnehmer unter den Gästen.
Die Vorstandschaft der Budakesser Gemeinschaft empfing die Gäste mit einem kühlen Umtrunk und mit Brezeln, Im Hotel Lamm in Neckarsulm fand sich eine geeignete Unterkunft.

Am Samstag besichtigten die Gäste aus Budakeszi das Bad Friedrichshaller Salzbergwerk und des Zweiradmuseum Neckarsulm in Eigenregie. Um 16.00 Uhr gab das Blasorchester ein Konzert auf dem Marktplatz in Neckarsulm zugunsten der Stiftung „starke Familien“.
Anschließend ging es zum offiziellen Empfang durch die Budakesser Gemeinschaft in die Besenwirtschaft Weingut Bauer. Bei einem rustikalen Büffet mit Besengerichten und gutem Wein, saß man gemütlich zusammen. Man hatte sich viel zu erzählen. Der Männerchor gab deutsche und ungarische Volkslieder zum Besten, begleitet von Attila Nagy auf dem Akkordeon und schnell herrschte gute Stimmung im Weingut.

Am Sonntag war Kiritog und das Fest begann um 11.00 Uhr mit einem Gottesdienst in der Frauenkirche in Neckarsulm. Das Besondere in diesem Jahr war, dass der Traditionsbewahrungsverein aus Budakeszi die Messe komplett gestaltete. Mit dem Lied „frohe Jubellieder bringen wir“, begleitet von Attila Nagy mit dem Akkordeon, begann die Messe. Die Orgel spielte Kantor Lörinc Huber aus Budakeszi. Der Vorsitzende der Budakesser Gemeinschaft, Franz Huber, begrüßte die Kirchenbesucher. Danach folgte das Gedenken an die Toten durch Angela Gorzawski, der stellvertretenden Vorsitzenden. In den vergangenen 12 Monaten mussten wir uns von vielen Mitgliedern, guten Bekannten und Freunden schmerzlich verabschieden.
Pater Konrad Vetter vom St. Paulusheim in Bruchsal zelebrierte die hl. Messe, Fürbitten wurden von Maria Bechtold vorgetragen. Der Traditionsbewahrungsverein bot eine Messe wie sie früher war, mit Liedern der Ungarndeutschen, zum Abschluss, das uns wohlbekannte Lied „Te deum Laudamus“.

Im Anschluss ging es zur zünftigen Kiritogs Feier in den gegenüberliegenden Kultursaal, der Ballei in Neckarsulm, wo Speis und Trank die Besucher erwartete. Heimatlich hatte man den Saal hergerichtet. Ortsansichten von Budakeszi als Wandbilder und traditionelle Kleidung unserer Vorfahrten waren ausgestellt.

Gustav Esterle hatte seinen Computer aufgebaut und bot den Besuchern an, nach ihren Ahnen zu forschen.
Um 14.00 Uhr startete das offizielle Festprogramm mit der Begrüßungsrede des Vorsitzenden Franz Huber vor einem gut gefüllten Festsaal.
Es folgten Reden des Oberbürgermeisters der Stadt Neckarsulm, Steffen Hertwig, des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Joschi Ament,
der Ehrenbürgerin und ehemaligen Direktorin des Budakeszer Gymnasiums, Frau Dr. Körösné Hilda Merkl, und dem Vorsitzenden des Stadtrats der deutschen Minderheitenselbstverwaltung, Herrn János Schrotti.

Der Budakeszer Traditionsbewahrungsverein unter Leitung von Károly Ligetfalvi mit Blasorchester unter Leitung von Szaba Szita und Männerchor unter Leitung von Frau Molnarne Edith Krishan, brachten uns heimatliche Atmosphäre, Brauchtum, Gesang und Musik aus der alten Heimat mit.

Die Leiterin des Heimatmuseums Wudigess und Museumspädagogin Frau Anna Nádas, ihr Ehemann Gabor Bechtold und Mitarbeiter Janos Bednárek waren unter den Gästen. Sie sind an der Aufarbeitung der Geschichte unserer Ahnen beteiligt.

Der Vorsitzende begrüßte unsere Ehrenmitglieder Frau Maria Schönbrunn, Frau Maria Geszler, Frau Rosina Schmalzhaf und Herrn Josef Pable.

Begrüßungsreden:

Begrüßungsrede des Vorsitzenden der Budakesser Gemeinschaft Franz Huber:

Wir sind in ein Zeitalter hineingewachsen, wo Heimat und Vertreibung einen anderen Stellenwert haben, als bei unserer Erlebnisgeneration der aus Budakeszi Vertriebenen. Unsere Bemühungen, Tradition und Brauchtum wach zu halten, unsere kulturellen Wurzeln, auch an die jüngeren Generationen weiterzugeben, ist eine schwierige Aufgabe. Die Erlebnisgeneration stirbt weg, die Kontakte zu ihren Familien brechen ab. Mit unserer Generation werden die meisten Heimatortgemeinschaften aussterben, auch die Budakesser Gemeinschaft bleibt davon nicht verschont. Was bleiben wird, ist der kulturelle Aufschwung, was das deutsche Brauchtum betrifft, der jüngeren Generation in Budakeszi. Wir dürfen es hier und heute miterleben, wie Traditionen, Brauchtum, Musik, Tanz und Gesang gepflegt werden. Die Werte einer Heimatstube schon Kindern weitergeben und ihnen alte Traditionen vermittelt werden. Aber auch die Geschichte der Vertreibung aufzuarbeiten, wie aktuell durch Herrn János Bednarek. Davon wird auch die Budakesser Gemeinschaft durch gegenseitige Besuche profitieren. Die Städtepartnerschaft Neckarsulm / Budakeszi ist durch uns entstanden und wir werden auch weiterhin Bestandteil bleiben. Mit der Gemeindeverwaltung Budakeszi, dem deutschen Stadtrat Budakeszi, dem Tradtitionsbewahrungsverein und dem Verschönerungsverein wünschen wir uns eine freundschaftliche Verbundenheit und Zusammenarbeit. Ich zitiere aus der Festschrift `Neckarsulm und seine Partnerstädte´: „Doch das verbindende Element zwischen den beiden Städten ist die Gruppe der aus Budakeszi vertriebenen Ungarndeutschen“. Zum Abschluss seiner Ansprache bedankte sich Franz Huber bei Allen, die durch ihre Mühe und durch ihr Engagement die Werte unseres Brauchtums pflegen und weitergeben.

Grußworte des Oberbürgermeisters Steffen Hertwig:

Mit einem herzlichen Gruß an die Besucher begann der Oberbürgermeister der Stadt Neckarsulm, Herr Steffen Hertwig, seine Ansprache: „Die Bewahrung von Erinnerung und Tradition gerade auch für Kinder und Enkel derjenigen, die ihre Heimat verlassen mussten, ist eine wichtige Aufgabe“, bestätigte der Oberbürgermeister. Um so mehr rückten die wichtigsten Errungenschaften des vereinten Europas ins Bewusstsein, „nämlich seit über sieben Jahrzehnten ein Leben in Frieden und Freiheit“. Die Budakesser Gemeinschaft pflege die persönlichen Beziehungen zu Budakeszi und leiste so einen entscheidenden Beitrag zum weiteren Zusammenwachsen Europas. Dafür dankte OB Hertwig der Gemeinschaft auch im Namen des Gemeinderates. Er rief dazu auf, die Städtepartnerschaften nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten, sondern sie weiter zu pflegen und zu bewahren. Die Stadt werde die Budakesser Gemeinschaft „auch weiterhin mit großer Freude unterstützen“, versprach Steffen Hertwig. „Als Oberbürgermeister trage ich den Titel `Patenonkel´ sehr gerne und komme dieser Aufgabe auch sehr gerne nach.“ Für das Konzert des Budakeszer Blasorchesters am Vortag auf dem Marktplatz und die dabei gesammelte Spende zugunsten der Stiftung „Familien in Not“ bedankte sich der Oberbürgermeister Steffen Hertwig ganz herzlich.

Grußworte Bundesvorsitzender der LDU Joschi Ament:

Den Überalterungsprozess, der „leider sichtbar voranschreitet“, thematisierte auch der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU), Joschi Ament. Die Budakesser Gemeinschaft gehöre zu den letzten der vertriebenen Ungarndeutschen und deren Nachfolgegeneration. „Sie versuchen, vor allem die kulturellen Gepflogenheiten und Bräuche der Eltern wahrzunehmen und zu erhalten“, erklärte der Bundesvorsitzende. „Sie tun dies in vorbildlicher Manier.“ Die Landsmannschaft wolle für eine neue Wahrnehmbarkeit sorgen, „dass die Ungarndeutschen nicht in Vergessenheit geraten“. „Man redet wieder über die Deutschen aus Ungarn“, stellte Joschi Ament fest. Man müsse aber auch miteinander kommunizieren, und dazu gehöre eine gut organisierte Heimatortgemeinschaft, wie die Budakesser Gemeinschaft, als funktionierende Basis.

Grußworte vom Vorsitzenden des deutschen Stadtrates Budakeszi Herr János Schrotti;

„Wir müssen mit den Werten der Vergangenheit die Zukunft bauen“. Seit 1994 gebe es in Ungarn die Möglichkeit, Nationalitäten-Selbstverwaltungen zu gründen. „Das ist bis zum heutigen Tage einzigartig.“ Seitdem nehme auch die deutsche Minderheiten-Selbstverwaltung in Budakeszi ihre gesetzlichen Möglichkeiten wahr. Zu den weiteren schwäbischen Gemeinschaften und Einrichtungen in Budakeszi zählte János Schrotti, der sich für die Renovierung der Denkmäler einsetzt, den Traditionsbewahrungsverein mit Männerchor und Blasorchester, das Heimatmuseum, das von diesem Jahr an renoviert wird, und als jüngsten Verein die Freiwillige Feuerwehr.

Grußworte Frau Dr. Körösne Hilda Merkl:

Die Grüße des Traditionsbewahrungsvereins überbrachte die frühere Direktorin des Gymnasiums Budakeszi, Frau Körösné Dr. Hilda Merkl. „Die Städtepartnerschaften blühen und bringen jedes Jahr den Menschen Freude, die daran teilnehmen“, sagte die Ehrenbürgerin der Stadt Budakeszi. Man habe in Budakeszi viel für die Bewahrung der Tradition getan. „Unsere Kinder und Kindeskinder nahmen an dieser Arbeit teil.“ Dies gebe ihr die Hoffnung, „dass diese Traditionen weiterleben“. Die Freundschaft mit der Budakesser Gemeinschaft sei „ein Schatz, der uns vererbt wurde“.

Franz Huber bekräftigte diese Freundschaft, indem er der Leiterin des Heimatmuseums Budakeszi, Frau Anna Nádas, ein traditionelles Brautkleid aus dem Fundus der Budakesser Gemeinschaft übergab.

Anita Kraßmann, 7. November 2017

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