Die Budakesser feierten in ihrer Patenstadt Neckarsulm ihr 69. Kirchweihtreffen „Kiritog“ früher und heute ein Fest mit großer Bedeutung

Gute Stimmung im Saal

Gute Stimmung im Saal

Am 20. September 2015 feierten die Wudigesser ihren Kiritog. Das Fest mit langer Tradition begann um 11.00 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Frauenkirche in Neckarsulm.
Pater Konrad Vetter der als Seelsorger im St. Paulusheim in Bruchsal arbeitet, einem katholischen Gymnasium, zelebrierte die Messe. Ministranten waren die beiden Söhne der aus Budakeszi angereisten Familie Schrotti. Vom Ofner Bergland Chor hörten wir zum Auftakt der Messe das Lied „Maria zu loben“. Danach richtete der Vorsitzende der Budakesser Gemeinschaft, Franz Huber, Grußworte an die Kirchenbesucher und erinnerte an die alte Tradition des Kirchweihfestes, das von unseren Vorfahren in der alten Heimat, aber auch hier von uns, in unserer neuen Heimat gepflegt und wieder neu belebt wurde. Es folgte das Gedenken an die Toten, dabei trug die stellvertretende Vorsitzende Angela Gorzawski die Namen der seit dem letzten Kirchweihtreffen bis heute Verstorbenen Landsleute vor. Pater Konrad Vetter ging auf das Thema Kirchweih, Kerwe oder wie wir ungarndeutschen es nennen „Kiritog“ ein, sei es doch ein Ereignis, zu dem sich die Familien aus der alten Heimat treffen um ihre Freundschaft zu erneuern und aufrecht zu erhalten. In seiner Predigt griff er die Geschichte von Elia auf. In dieser biblischen Geschichte seien Parallelen zum heutigen häufig vorkommenden Erschöpfungssyndrom „Burnout“ zu finden, so Pater Vetter. „Steh auf und iss, du hast noch einen weiten Weg vor dir“ sprach der Engel zu Elia. Wie der Engel des Herrn Elia ermunterte, so ermunterte Pater Vetter seine Zuhörer, auch wenn das Schicksal fehl schlägt und die Last unerträglich wird, nicht aufzugeben und auf Gott zu vertrauen. Die Lesung und Fürbitten erfolgten durch Maria Bechtold
Stephan Pfundt, Leiter des Ofner-Bergland-Chores, hatte heimatliche Lieder aus dem Budakeszer Gesangbuch St. Cecilia von 1933 ausgewählt. Nach der Messe wurden noch drei Marienlieder vorgetragen: „der Engel des Herrn“, „Es glänzt kein Licht im Sternensaal“ und „Te Deum Laudamus“. Die Begleitung an der Orgel erfolgte durch Manfred Winkler.

Familien Deberle und Schrotti mit Budakesser Landsleuten

Familien Deberle und Schrotti mit Budakesser Landsleuten

Im Anschluss ging es zur zünftigen Kiritogs Feier in den gegenüberliegende Neckarsulmer Kultursaal Ballei, wo Speis und Trank die Besucher erwartete. Der Saal, mit seiner spätsommerlich, heimatlich geschmückten Bühne und mit dem Bild im Hintergrund der gewohnten Budakesser Ortsansicht mit der Kirche „Maria Schnee“, vermittelten eine heimatliche Kulisse. Die Konsekration der Pfarrkirche Maria Schnee erfolgte in Budakeszi am 9. September 1781 durch Ignatius Nagy, dem ersten Bischof der damals neu errichteten Diözese Stuhlweißenburg.
Um 14.00 Uhr startete das offizielle Festprogramm in der Ballei mit der Begrüßungs-Rede des Vorsitzenden Franz Huber: „Kiritog in Wudigess – ein kirchliches Fest mit langer Tradition. Es war ein Fest an dem sich das ganze Dorf beteiligte. Doch diese dörfliche Gemeinschaft wurde nach dem Krieg durch die Vertreibung am 18. März 1946 jäh auseinander gerissen. Eine unmenschliche Tragödie die sich 2016 zum 70. mal jährt. Fast 4000 Wudigesser mussten ihre angestammte Heimat verlassen, wo sie fast 250 Jahre lebten und loyale Bürger des Staates waren. Ende März 1946 fanden Sie zunächst in Lagern der amerikanischen Zone hier in Baden-Württemberg ihre neue Heimat. Viele von ihnen hier in Neckarsulm. Ich möchte nicht weiter auf die Vertreibung eingehen, aber auch nicht auf die aktuelle Lage der Flüchtlingsströme in Europa. Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben uns zusammengefunden um den Zusammenhalt der vertriebenen Budakesser zu erhalten. Ob Heimattreffen, Kirchweihfest oder Kiritog, zu unserem 69. Treffen darf ich Sie liebe Landsleute, Budakesser und alle Gäste herzlich begrüßen; Schön dass Ihr gekommen seid“ so der Vorsitzende. Ebenso herzlich begrüßte er den Patenonkel der Budakesser Gemeinschaft, Oberbürgermeister der Stadt Neckarsulm Herrn Joachim Scholz und den früheren Oberbürgermeister und Ehrenmitglied der Budakesser Gemeinschaft Herrn Volker Blust mit Gattin. Des Weiteren den Ehrenvorsitzenden der Budakesser Gemeinschaft Herrn Anton Deberle mit Gattin, den Vorsitzenden der Minderheitenselbstverwaltung des deutschen Stadtrats von Budakeszi Herrn Janos Schrotti und Herrn Janos Bednárik vom Heimatmuseumsverein Budakeszi. Einen herzlichen Gruß richtete der Vorsitzende an die Ehrenmitglieder Frau Irma Kreisz, Frau Maria Geszler, Frau Rosina Schmalzhaf, Herrn Josef Hoffer und Herrn Josef Pable. Ein weiterer Gruß ging an die Schlossparkmusikanten aus Gemmingen unter Leitung von Andreas Wild sowie an Herrn Andreas Bracht von der Pressestelle Neckarsulm.

János Bednárik mit Frau von Staden und Frau DePonte

János Bednárik mit Frau von Staden und Frau DePonte

„Kiritog ein Fest dessen Ursprung bei der Kirche liegt. Darum sei es heute noch wichtig, diesen Tag mit einem Gottesdienst zu beginnen“ fuhr Franz Huber in seiner Ansprache fort.
„Um den Zusammenhalt zu bewahren, setzten die Landsleute, hier in ihrer neuen Heimat, die Tradition des Kirchweihfestes fort“, blickte der Vorsitzende der Budakesser Gemeinschaft, Franz Huber, zurück. Seit dem Patenschaftsjahr 1989 wird das Kirchweihtreffen in Neckarsulm gefeiert. Aus der Patenschaft entwickelte sich die Städtepartnerschaft mit Budakeszi, die 1993 besiegelt wurde. „Wir wünschen uns für die Zukunft weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit Budakeszi und Neckarsulm und allen Bürgern dieser Städte“, bekräftigte Franz Huber.
Für den feierlichen Gottesdienst und die musikalische Umrahmung bedankte er sich bei Pater Konrad Vetter vom St. Paulusheim in Bruchsal, dem Ofner-Bergland-Chor, unter der Leitung seines Dirigenten Herrn Stephan Pfundt und dem Organisten Herrn Manfred Winkler, sowie bei den Sängerinnen und Sängern des Chores.
Im Anschluss folgte die Ansprache vom Oberbürgermeister der Stadt Neckarsulm, Herrn Joachim Scholz. Nach einem herzlichen Gruß an die Besucher hob er hervor, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der Budakesser Gemeinschaft für die Städtepartnerschaft sei. Er dankte der Budakesser Gemeinschaft für die Kontaktpflege und den intensiven Austausch mit der ungarischen Partnerstadt. Zur Unterstützung dieser Arbeit überreichte der dem Vorsitzenden Franz Huber einen Scheck der Stadt Neckarsulm.
Herr Janos Schrotti, der Vorsitzende der deutschen Minderheitenselbstverwaltung sicherte zu, die partnerschaftliche Zusammenarbeit fortzusetzen. „Wir werden nach wie vor der wichtigste Partner der Stadt und der Gemeinschaft für immer bleiben“, erklärte er weiter.
Der zweite Gast aus Budakeszi, János Bednárik, stellte ein Heimatforschungsprojekt der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und des Heimatmuseumsvereins Budakeszi vor. „Die Heimatforschung endet in den meisten Fällen 1946“, sagte der studierte Ethnologe. „Da gibt es Wissenslücken“. Um diese Lücken zu schließen, will János Bednárik in Interviews und Gesprächen möglichst viele Familiengeschichten und persönliche Erfahrungen von Donauschwaben sammeln. Er bat die Teilnehmer des Kirchweihtreffens, ihm Kontakte für kurze Gespräche oder ausführliche Interviews zu vermitteln. Die Ergebnisse fließen zum Teil in die Doktorarbeit „Kirche und Gesellschaft im Ofner Bergland im 19. Jahrhundert“ ein, die János Bednárik an der Universität Elte in Budapest schreibt.
Nach den Grußworten spielten die Gemminger Schloßparkmusikanten, unter Leitung von Andreas Wild, in gewohnter Weise zum Tanz. Schnell füllte sich das Tanzparkett und im Kultursaal Ballei herrschte unter den ca. 150 Besuchern eine sehr gute Stimmung und gute Unterhaltung.
Neben dem Eingang der Halle konnte man Bilder von früher „Unsere Ahnen“ betrachten. Auch eine Ahnentafel wurde präsentiert. Gleich daneben unser Familienforschungsreferent Gustav Esterle mit seinem startbereiten Computer, in dem er die Kirchenbücher seit 1699 aus Budakeszi gespeichert hat und mit seinem Programm Familienforschung betreiben kann. Auch dieses Jahr stieß dieses Angebot wieder auf große Nachfrage.
Gegen 18.00 Uhr ging unser Kiritog zu Ende.
Wir bedanken uns bei allen Besuchern aus nah und fern, vor allem bei unseren treuen Landsleuten und Gästen, die jedes Jahr wiederkommen und unsere Veranstaltung mit Leben füllen.

Gute Stimmung im Saal

Gute Stimmung im Saal

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